Fotoausstellung in Neustadt
Spielplätze aus einer anderen Zeit: DDR-Klettergerüste wecken in Halle Erinnerungen
Livia Müller / MZ 27.04.2026
Metallene Kletterpilze, Katzen oder Raketen: Eine Ausstellung in Halle-Neustadt zeigt Fotografien und Grafiken alter Klettergerüste beispielsweise aus der DDR und Osteuropa. Dahinter steckt mehr als Nostalgie. Es geht um Erinnerung, Verlust und vielleicht sogar um die Verwirklichung einer ungewöhnlichen Mission.
Halle (Saale)/MZ. – Wie findet man ein Klettergerüst, das irgendwo in Osteuropa zwischen Plattenbauten steht und vielleicht schon längst vergessen ist? René Langner beginnt seine Suche im Internet. Auf Social Media, über Pinterest oder Google Maps stößt er auf Bilder, versucht den Standort herauszufinden – und fährt los.
Deutschland, Polen, Tschechien, Ungarn: Für seine Motive ist der Kulturpädagoge weit gereist. Was er sucht, sind keine modernen Spielplätze. Es sind alte Stahlrohr-Klettergerüste: Katzen, Elefanten, Pilze oder Raketen. Überbleibsel aus einer Zeit, in der Spielplätze noch anders aussahen.
Die Erinnerung an vergangene Tage steht im Zentrum der Ausstellung „Katze, Pilz und Sputnik“, die jetzt im Mehrgenerationenhaus „Pusteblume“ in Halle-Neustadt eröffnet wurde. Zu sehen sind Fotografien und Grafiken von Langner, die genau diese Spielgeräte zeigen – aus Deutschland und Osteuropa, aus den 60er-, 70er- und 80er-Jahren.
Ergänzt wird die Ausstellung durch ein kleines Buch mit dem Titel „Gerüste der Republik“, in dem Langner seine Erkenntnisse und Fotografien aus mehreren Jahren Recherche über DDR-Klettergerüste zusammengetragen hat.
### Zwischen Kunst und Kindheitserinnerung
Die standardisierten Klettergerüste waren aus Metall. Der Kletterpilz etwa wurde zum Symbol dieser Zeit, auch wenn sein Ursprung eigentlich in der Schweiz liege, so Langner. Doch es gab weit mehr als den Pilz.
In Halle wurde Ende der 1980er-Jahre etwa eine „Kletterkatze“ entworfen, gebaut wurde sie in Bitterfeld. In der Stadt selbst stand sie allerdings nie. Eine dieser Katzen konnte Langner im vergangenen Jahr vor der Verschrottung retten. Heute steht sie in einem privaten Garten – mit dem Ziel, sie irgendwann wieder öffentlich zugänglich zu machen.
Langners Blick auf die Gerüste ist dabei nicht nur nostalgisch, sondern auch künstlerisch. Die klaren Formen aus Stahl lassen sich, so beschreibt er es, gut vom Hintergrund lösen. Anders als moderne Holzspielplätze, die laut Langner schnell unübersichtlich wirken können.
### Ausstellung im Mehrgenerationenhaus „Pusteblume“ in Halle-Neustadt noch bis Juni
Doch die Motive werden seltener. Viele der alten Gerüste verschwinden nach und nach, nicht zuletzt wegen strenger Sicherheitsvorschriften. Häufig bestehen sie die heutigen TÜV-Prüfungen nicht mehr, werden gesperrt oder direkt abgebaut. Wenn er von einem Gerüst erfährt, versucht Langner, es zu fotografieren oder im besten Fall zu sichern.
Die Ausstellung „Katze, Pilz und Sputnik“ ist noch bis zum 24. Juni im Mehrgenerationenhaus „Pusteblume“ in Halle-Neustadt zu sehen. Neben Fotografien und Grafiken gibt es dort auch das Buch „Gerüste der Republik“, Aufkleber und einen Kalender mit früheren Arbeiten.
Wer selbst Hinweise auf alte Klettergerüste hat, kann sich an Langner wenden – über seine Internetseite oder über Instagram.
### Vision für Halle: Ein Park voller Metall-Klettergerüste in Neustadt
Doch dabei soll es nicht bleiben, der Künstler verfolgt eine größere Idee: ein Kletterpark in Halle. Ein Ort, an dem alte Gerüste gesammelt, restauriert und, wenn möglich, wieder nutzbar gemacht werden. Gerade in Halle-Neustadt gebe es viele freie Flächen.
Dass das nicht einfach wird, ist ihm bewusst. Sicherheitsvorgaben, Abstände, Fallhöhen: Vieles müsste angepasst werden. Manche Gerüste könnten am Ende vielleicht nur noch als Kunstobjekte stehen, nicht mehr zum Klettern. Doch die Idee bleibt: die Vergangenheit sichtbar machen, bevor sie ganz verschwindet.